Folge 38 - Du wolltest doch eigentlich üben

Shownotes

In dieser Folge sprechen wir darüber, wie musikalisches Lernen im Alltag wirklich funktioniert: über Motivation, Selbstverantwortung, feste Routinen und die Frage, warum wir manchmal genau wissen, was wir tun wollen – und trotzdem nicht anfangen.

Und wir schauen darauf, warum Lernen nicht immer am Instrument stattfinden muss, weshalb Gemeinschaft vieles leichter macht und warum aus Üben irgendwann gemeinsames Musizieren werden sollte.

Denn der perfekte Zeitpunkt kommt selten. Der beste Moment, anzufangen, ist meistens jetzt.

Sprecher: Dominik Hahn
Web: www.global-jazz-academy.com

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00:00:07: Hallo und herzlich willkommen zur heutigen Folge von Jazzheads, dem Podcast der Global Jazz Akademie Berlin.

00:00:13: Mein Name ist Dominik Hahn und ich begrüße euch aus Münster.

00:00:17: Kennt ihr das?

00:00:19: Ihr nehmt euch etwas vor.

00:00:21: Wegt ab!

00:00:22: Überlegt... Nein, diesmal wirklich.

00:00:26: Ihr wollt endlich wieder mehr spielen.

00:00:28: Euch mit Harmonielehre beschäftigen an eurer Improvisation arbeiten.

00:00:33: vielleicht habt ihr schon länger das Gefühl Da wäre eigentlich noch so viel mehr drin.

00:00:38: Und dann kommt dieser Moment!

00:00:41: Ihr habt euch entschieden, ihr bucht einen Kurs und das fühlt sich erst mal ziemlich gut an.

00:00:47: Man hat eine Entscheidung getroffen Die erste Hürde ist genommen Vielleicht habt ihr sogar schon die erste Lektion angesehen?

00:00:54: Und irgendwie gibt einem das ein gutes Gefühl.

00:00:58: Der Grundstein ist gelegt Jetzt kann es losgehen Nur... Dann kommt das Leben.

00:01:05: Ach Montag war viel los Dienstag sowieso.

00:01:09: Mittwoch könnte passen, aber abends dann doch keine Energie mehr.

00:01:14: Donnerstag denkt man morgen.

00:01:16: Morgen mache ich es wirklich und irgendwann stellt man fest der Kurs ist noch da das Instrument auch.

00:01:24: nur man selbst ist irgendwie noch nicht so richtig da.

00:01:27: Und genau darüber möchte ich heute sprechen Nicht über die richtige Tonleiter nicht über Akkorde nicht darüber wie jemand schneller höher oder komplizierter spielen kann sondern über etwas, das eigentlich noch davor kommt.

00:01:42: Wie schaffen wir es überhaupt langfristig an unserem Instrument dran zu bleiben?

00:01:47: Und wie viel Verantwortung tragen wir selbst dafür, dass aus einem guten Vorsatz irgendwann tatsächlich musikalische Entwicklung wird?

00:01:56: Denn einen Kurs zu buchen ist leicht!

00:01:59: Ihnen mit Leben zu füllen ist die eigentliche Aufgabe und ich glaube, das ist etwas was wirklich jeden betrifft Anfänger genauso wie Fortgeschrittene und übrigens auch Profis.

00:02:13: Beim Lernen reden wir häufig von Motivation, ach ich müsste mich einfach mehr motivieren oder im Moment fehlt mir die Motivations anzufangen.

00:02:24: wenn ich wieder mehr Zeit habe dann geht es richtig los.

00:02:28: das Problem daran ist nur Motivaton ist ziemlich unzuverlässig.

00:02:34: Es gibt Tage da setzt man sich ans Instrument und könnte drei Stunden weiter machen Und dann gibt es die Tage, da schaut einen das Instrument aus der Ecke an und man denkt heute nicht.

00:02:47: Das geht mir übrigens auch manchmal so – vor allem beim Sport!

00:02:51: Wenn ich alleine los muss kann mein Kopf erstaunlich viele Argumente finden warum morgen eigentlich der viel bessere Zeitpunkt wäre.

00:02:59: In einer Gruppe passiert etwas anderes Der Termin steht andere Menschen sind involviert Man hat zugesagt und plötzlich stellt sich die Frage gar nicht mehr so sehr ob man heute Lust hat.

00:03:11: Man geht einfach hin.

00:03:13: Und genau diese Verbindlichkeit lässt sich auch auf Musik übertragen und dafür braucht man nicht zwingend jeden Dienstag um achtzehn Uhr einen Lehrer, der kontrolliert ob man seine Hausaufgaben gemacht hat.

00:03:26: Man kann diese Verbindung mit sich selbst herstellen – ein Termin!

00:03:31: Ein fester Platz im Kalender vielleicht nur eine Viertelstunde pro Woche aber diese Viertellstunde gehört der Musik.

00:03:39: Nicht wenn ich irgendwann Zeit habe sondern Donnerstag, zwanzig Uhr.

00:03:45: Instrument.

00:03:47: Das klingt banal?

00:03:49: Aber manchmal sind es genau diese einfachen Dinge die den Unterschied machen zwischen ich wollte eigentlich mal.

00:03:56: und echter Entwicklung.

00:03:58: Dabei gibt es noch einen zweiten Punkt der mir ganz wichtig ist.

00:04:01: Selbstverantwortung bedeutet nicht möglichst streng mit sich selbst zu sein.

00:04:05: Im Gegenteil Es bedeutet auch sie selbst gut kennenzulernen.

00:04:10: Vielleicht ist heute nämlich wirklich kein guter Tag für eine intensive Übereinheit.

00:04:15: Dann bringt es möglicherweise wenig, sich eine Stunde lang schlecht gelaunt durch irgendwelche technischen Übungen zu quälen.

00:04:22: Aber vielleicht könnt ihr Musik hören?

00:04:25: Ganz bewusst!

00:04:26: Vielleicht nehmt ihr euch eine Aufnahme die euch schon lange interessiert.

00:04:30: setzt Kopfhörer auf und hört einfach einmal genau hin.

00:04:33: was macht der Bass?

00:04:35: wie begleitet das Klavier?

00:04:37: wo reagiert der Schlagzeuger?

00:04:38: Was passiert mit der Dynamik?

00:04:40: Handy aus Musik an?

00:04:44: oder ihr sagt Heute spiele ich gar nicht, heute mache ich einfach zwanzig Minuten Gehörbildung oder Harmonielehrer.

00:04:52: Oder ihr nehmt euch einen Jazz-Standard und schaut euch einfach nur die Form an!

00:04:56: Auch das ist musikalisches Lernen.

00:04:59: Wir haben manchmal diese Vorstellung üben müsste immer bedeuten Instrument raus Metronom an Konzentriert arbeiten Und natürlich gehört es dazu.

00:05:09: Aber musikalische Entwicklung ist viel größer.

00:05:12: Hören gehört dazu Verstehen gehört dazu Nachdenken gehört dazu.

00:05:17: Mit anderen Spielen gehört dazu und manchmal gehört sogar dazu, einen Tag gar nichts zu machen.

00:05:24: Entscheidend ist nicht dass jeder einzelnen Tag perfekt genutzt ist, entscheidend ist das man immer wieder zurück kommt.

00:05:32: Das vielleicht größte Problem?

00:05:34: Wo mache ich weiter?

00:05:35: Es gibt nämlich noch etwas das viele vom Lernen abhält!

00:05:39: Nicht unbedingt Faulheit oder Bequemlichkeit sondern Orientierungslosigkeit.

00:05:44: Ihr setzt euch ans Instrument und denkt, was mache ich jetzt eigentlich?

00:05:48: Tonleitern, Voicings, Timing, Improvisation.

00:05:52: Den Standard von letzter Woche oder vielleicht doch endlich diese eine Lektion über Dominantakorde Und zwanzig Minuten später habt ihr fünf Dinge angefangen und keines wirklich gemacht.

00:06:04: Genau an diesem Punkt hilft ein Konzept Nicht weil dein Konzept euch das denken abnehmen soll Sondern weil es euch eine Richtung gibt Und das ist auch einer der Gedanken hinter unseren Kursen bei der Global Jazz Academy.

00:06:17: Wir möchten Inhalte so aufbauen, dass ihr nicht jedes Mal neue überlegen müsst – wo fange ich an?

00:06:23: Was kommt als nächstes?

00:06:24: Was muss sich dafür eigentlich schon können?

00:06:27: Die Inhalten sollen aufeinander aufbauten, verständlich sein und vor allem einen Bezug zur musikalischen Praxis haben!

00:06:34: Und trotzdem bleibt ihr vollkommen frei!

00:06:37: Ihr lernt dann Wenn es euch passt, in eurem Tempo.

00:06:40: Ihr könnt etwas wiederholen, ihr könnt eine Woche pausieren!

00:06:43: Ihr könnt euch einen anderen Themenbereich anschauen.

00:06:46: Das ist eine große Stärke von Online-Lernen.

00:06:49: Aber diese Freiheit hat eben auch eine andere Seite.

00:06:52: Niemand klingelt am Donnerstagabend bei euch und sagt Hallo heute wäre übrigens Jazz.

00:06:58: Diese Verantwortung bleibt bei euch Und das ist gar nichts Schlechtes.

00:07:02: Man muss nur lernen mit dieser Freiheit umzugehen.

00:07:04: Und trotzdem gibt es einen Punkt, an dem Online-Lernen an seine Grenzen kommt.

00:07:09: Jazz ist keine Einzelsportart!

00:07:13: Man kann sehr viel alleine lernen – man kann Akkorde verstehen, Skalen üben, Voicings ausprobieren, Timing trainieren, transkribieren, Aufnahmen analysieren.

00:07:21: aber irgendwann möchte das alles raus in die Musik mit anderen Menschen.

00:07:26: Das Motto ist Alleine Lernen Aber Gemeinsam Musik machen.

00:07:32: Denn plötzlich funktioniert ein Akkord, den man hunderte Mal alleine gespielt hat in einem völlig anderen Zusammenhang.

00:07:37: und plötzlich merkt man beim Spielen ach deshalb muss ich hier Platz lassen.

00:07:42: oder jetzt verstehe ich warum diese Basslinie so wichtig ist.

00:07:46: Oder man merkt dass etwas das zu Hause hervorragend funktioniert hat im Zusammenspiel überhaupt nicht trägt.

00:07:53: Und genau da beginnt eine andere Form des Lernens Eine unglaublich wichtige nämlich voneinander und miteinander.

00:08:01: Genau deshalb möchten wir bei der Global Jazz Akademie zukünftig beide Welten stärker miteinander verbinden.

00:08:07: Auf der einen Seite das selbstbestimmte Lernen, zu Hause in eurem Tempo mit einer klaren Struktur und auf der anderen Seite Räume schaffen indem wir zusammenkommen uns kennenlernen spielen ausprobieren Fehler machen Fragen stellen und gemeinsam herausfinden wie aus all diesen theoretischen und praktischen Bausteinen tatsächlich Musik entsteht.

00:08:29: Aus diesem Gedanken heraus ist auch unsere Live-Workshopreihe entstanden.

00:08:34: Ein Wunsch, der auch aus der Community kamen und durch die Zusammenarbeit mit dem Jazz Club Schloten in Berlin haben wir jetzt die Möglichkeit genau so einen Ort zu schaffen – ein echter Jazzclub!

00:08:45: Echte Menschen, andere Musikerinnen und Musiker und am Ende sogar das Ziel gemeinsam ein Konzert zu präsentieren.

00:08:52: Denn manchmal versteht man in einer Stunde Zusammenspiel Dinge über die man vorher wochenlang nachgedacht hat Nicht weil plötzlich jemand eine magische Erklärung liefert, sondern weil man sie hört und spürt.

00:09:04: Lernen funktioniert besser wenn man nicht daran ist.

00:09:08: Vielleicht ist das auch der Grund warum Community beim Lernen so wichtig sein kann?

00:09:13: Es geht nicht darum dass alle dasselbe können oder alle gleichweit sind.

00:09:17: im Gegenteil gerade diese Unterschiede sind interessant.

00:09:20: Der eine kämpft gerade mit Rhythm Changes, der andere versucht beim Improvisieren endlich einmal nicht über Skalen hoch und runter zu spielen.

00:09:28: Jemand anderes beschäftigt sich gerade zum ersten Mal mit Shell Voicings und ein anderer spielt seit dreißig Jahren und merkt trotzdem, es gibt noch so viel zu entdecken.

00:09:39: Und das finde ich übrigens einen der schönsten Gedanken in der Musik – man ist nie fertig!

00:09:43: Es gibt immer noch eine Ebene, noch einen Klang, noch einer Aufnahme, noch einem Musiker von dem man etwas lernen kann.

00:09:49: Und deshalb möchten wir euch stärker kennenlernen.

00:09:53: Was beschäftige ich euch gerade?

00:09:54: Woran arbeitet ihr?

00:09:55: Was funktioniert gut?

00:09:57: Wo hängt ihr

00:09:57: fest?!

00:09:58: Was sind Themen, die euch beschäftigen?

00:10:00: Welche Themen sollen wir im Podcast besprechen.

00:10:03: Was würdet ihr gerne einmal mit anderen ausprobieren?

00:10:07: denn wenn wir wissen wo ihr gerade steht können wir auch unsere Angebote besser darauf ausrichten nicht abstrakt sondern auf das was euch in eurem Leben tatsächlich musikalisch beschäftigt.

00:10:19: und der beste Zeitpunkt vielleicht kennt ihr diesen Gedanken ich fange richtig an wenn es im Job prüger wird Wenn die Kinder größer sind, wenn ich endlich wieder mehr Zeit habe.

00:10:32: Wenn ich erstmal dieses andere Projekt abgeschlossen habe – das Problem ist dieser perfekte Zeitpunkt kommt erstaunlich selten!

00:10:41: Das Leben bleibt meistens ziemlich voll und deshalb glaube ich dass musikalisches Lernen weniger damit zu tun hat plötzlich ganz viel Zeit zu finden sondern eher damit der Musik regelmäßig einen Platz zu geben.

00:10:55: vielleicht ist es eine Stunde Vielleicht sind es zweimal zwanzig Minuten, vielleicht ist es heute nur eine Platte die ihr ganz bewusst hört.

00:11:03: Es muss nicht perfekt sein aber es muss irgendwann passieren und dabei können wir euch helfen.

00:11:10: Feste Termine?

00:11:11: Eine Community?

00:11:12: Vielleicht ein Workshop?

00:11:13: Eine Band oder einfach die Entscheidung.

00:11:16: diese eine Stunde gehört heute mir und meiner Musik Denn am Ende üben wird das alles nicht um besser im Üben zu werden.

00:11:24: Wir lernen Harmoniläre nicht um Harmonilere zu können.

00:11:27: Wir trainieren unser Gehirn nicht, um gute Gehörbildungsaufgaben zu lösen.

00:11:31: Und wir improvisieren nicht damit wir Zuhause möglichst beeindruckend über ein Backing-Track spielen können!

00:11:37: Wir machen das alles für diesen einen Moment wenn andere Menschen ihre Instrumente auspacken, jemand einzählt und die Musik startet – gemeinsam!

00:11:46: Vielleicht ist auch der beste Grund heute anzufangen?

00:11:50: Nicht irgendwann jetzt!

00:11:53: Alle Infos zu unserem Live Workshop findet ihr in der Podcast Beschreibung Oder ihr abonniert einfach unseren Newsletter, damit ihr immer auf dem laufenden seid was sich in der Global Jazz Akademie tut.

00:12:04: Und in diesem Sinne lasst uns gemeinsam Musik machen und werdet Teil unserer Jazz-Community!

00:12:09: Und damit verabschiede ich mich – vielen Dank dass ihr heute dabei gewesen seid.

00:12:13: bis bald und Tschüss.

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