Folge 37 – Zusammenspiel & Arrangements

Shownotes

Zusammenspiel & Arrangements

Eine gute Band entsteht nicht nur dadurch, dass jede*r sein Instrument beherrscht. Entscheidend ist, zuzuhören, aufeinander zu reagieren und gemeinsam musikalische Entscheidungen zu treffen.

In dieser Folge berichtet David von unserem Bandworkshop und darüber, wie zwei Combos gemeinsam Arrangements entwickelt haben. Wir sprechen über Rollen in der Band, musikalische Kommunikation, Instrumentierung, Raum und Dynamik – und darüber, wie aus einem einfachen Leadsheet ein individuelles Arrangement entstehen kann.

Dazu gibt es kurze Hörbeispiele aus dem Workshop und einen Ausblick auf die neue Workshop-Reihe Bandplaying & Arrangements.

Srecher: David Riaño Molina

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00:00:08: Hallo und herzlich willkommen zurück zu Jazzheads.

00:00:10: Ich hoffe ihr hattet einen schönen Sommer!

00:00:13: Nach unserer Sommerpause kehren wir zurück mit dieser Folge, mit der wir uns erneut über das Zusammenspiel einer Band auseinandersetzen und uns auch anschauen welche Mittel es gibt Stücke zu arrangieren.

00:00:25: Ende August fand unser Band Workshop statt.

00:00:29: Es war eine aufregende und erfolgreiche Erfahrung, in der sich zwei Combos zusammenfanden.

00:00:34: Mit denen wir jeweils drei Songs an einem Wochenende erarbeitet haben... ...und diese zum Abschluss im Jazzclub-Schlot aufgenommen haben.

00:00:43: In dem Workshop haben wir uns wie gesagt mit zwei Themen hauptsächlich befasst.

00:00:48: Nämlich dem Zusammenspiel einer Band und den kollektiven Agentieren von Stücken.

00:00:53: Dazu haben wir darüber gesprochen, welche Rollen es in einer Band gibt und aber auch welche Aufgabe alle Bandmitglieder haben.

00:01:02: Die Hauptaufgabe aller Spielenden besteht darin die Band gut klingen zu lassen.

00:01:07: das bedeutet in erster Linie mit offenen Ohren zu spielen und sich auf den Gesamtklang zu konzentrieren.

00:01:14: dazu ist es natürlich wichtig und hilfreich sich mit dem musikalischen Material auseinanderzusetzen.

00:01:24: Wir haben auch deshalb darüber gesprochen, wie Leedschieds gelesen und verstanden werden.

00:01:30: Der erste Schritt aller teilnehmenden Bestand darin sich mit der Struktur des Stücke vertraut zu machen also zu schauen welche Form das Stück hat, welche Harmonien kommen vor ob das Stück ein ausgeschriebenes Intro oder eine Kode hat etc.

00:01:46: Bevor es um das kollektive arrangieren ging haben die Kombos die Form gespielt Und die Saxophonistinnen und SängerInnen haben die Melodie gesungen und gespielt.

00:01:55: Es wurde also an der Form gearbeitet, bis sie stand.

00:01:59: Sprich das Thema wurde im Kreis gespielt, bis alle Stellen für alle klar waren und sich alle einigermaßen sicher fühlten.

00:02:07: An dieser Stelle haben wir uns über die Rollen- und Aufgaben ausgetauscht und uns mit folgenden Fragen befasst.

00:02:13: Was ist die Rolle eines Dramas?

00:02:15: Die des Bassisten – wenn kein Bassist da ist Wie teilt man sich diese Rolle auf?

00:02:21: Wie ist die Rolle der Gitarre und des Pianos.

00:02:24: Welche Aufgaben haben Saxophonisten und Vokalisten?

00:02:28: Obwohl alle Bandmitglieder andere Instrumente spielen, ist es die wichtigste Aufgabe immer mit offenen Ohren zu spielen und die gesamte Band gut klingen zu lassen.

00:02:38: Was bedeutet das?

00:02:40: Für eine Schlagzeugerin zum Beispiel, die Lautstärke so zu kontrollieren dass alle sich gut hören können Ist das Klavier nicht verstärkt, muss auch das Klavier gut für alle zu hören sein.

00:02:52: Für die Begleitinstrumente Bass, Klavier und Gitarre ist es wichtig dass diese sich auf die Formen und die Changes konzentrieren und diese so klar spielen, dass sie sich alle orientieren können und wissen ob Sie gerade im A, B oder C-Teil sind!

00:03:07: Für die Solistinnen also die Blasinstrumente oder den Gesang geht es darum durch die Interpretation der Melodie den Song klarzuführen.

00:03:16: Und genau hier beginnt eigentlich schon das Thema Arrangement.

00:03:20: Denn ein Arrangeament beginnt nicht unbedingt erst dann, wenn jemand Noten aufschreibt und festlegt wer wann was spielt.

00:03:29: Ein Arrangements kann bereits dadurch entstehen dass wir Entscheidungen darüber treffen wer was spielt Wann jemand spielt und wann jemand nicht spielt.

00:03:39: Und gerade dieses Nicht-Spielen ist meiner Meinung nach eine der unterschätzesten Möglichkeiten im Arrangement.

00:03:47: Wenn beispielsweise ein Klavier permanent Akkorde spielt, die Gitarre ebenfalls permanent begleitet, der Bass durchgehend aktiv ist und das Schlagzeug ebenfalls kontinuierlich spielt kann das natürlich funktionieren.

00:04:02: Aber irgendwann entsteht möglicherweise ein sehr dichter Klang, in dem einzelne Instrumente nicht mehr klar wahrnehmbar sind.

00:04:10: Wenn wir dagegen bewusst Dinge weglassen, entsteht Raum und Platz!

00:04:15: Und dieser Raum kann unglaublich musikalisch sein und sehr stark wirken.

00:04:21: Es kann zum Beispiel bedeuten dass das Klavier während eines Gitarren Solos nicht begleitet sondern komplett aussetzt oder dass die Gitarre nur an bestimmten Stellen Akzente spielt, oder das der Bass eine bestimmte Figur übernimmt und das Klavier seine Begleitung verändert.

00:05:20: Es geht also nicht nur darum was wir spielen sondern genauso darum wann wir es spielen und wann wir ist Nichtspielen.

00:05:29: Wenn man sich mit Jazzaufnahmen beschäftigt findet man dafür unglaublich viele Beispiele.

00:05:34: Viele Standards funktionieren eben nicht nach dem klassischen Schema Thema Melodie, Solo, Solo und dann am Ende Thema.

00:05:42: Und dann Schluss!

00:05:45: Natürlich gibt es diese Form sehr häufig – und zwar vor allem auf Sessions.

00:05:49: Aber es gibt unzählige andere Möglichkeiten einen Song dramaturgisch zu gestalten.

00:05:55: Man kann zum Beispiel mit einem Solo beginnen und das Thema erst später präsentieren oder ein Stück beginnt zunächst frei und rubato bevor ein festes Tempo einsetzt.

00:06:55: Das Thema kann nur am Ende gespielt werden zum Beispiel.

00:06:58: Man kann innerhalb eines Stückes das Tempo verändern oder bestimmte Passagen plötzlich langsamer oder schneller spielen, man kann das Thema zunächst nur von zwei Instrumenten spielen lassen und erst danach kommt die ganze Band dazu.

00:07:12: Oder das Thema wird beispielsweise zwischen verschiedenen Instrumente aufgeteilt Ein Teil wird vom Gesang gesungen eine Antwort kommen von den Bläsern Danach übernimmt vielleicht die Gitarre eine kleine Phrase.

00:07:25: Solche Frage- und Antwortstrukturen sind eine sehr schöne Möglichkeit, ein Arrangement lebendiger zu machen – auch die Begleitung kann wechseln!

00:07:33: Wenn beispielsweise ein Stück zunächst vom Klavier begleitet wird, kann die Gitarre später diese Funktion übernehmen oder beide Instrumente begleiten gemeinsam aber mit unterschiedlichen Aufgaben?

00:07:44: Vielleicht spielt das Klavier eher flächige Voicings und die Gittare einzelne rhythmische Akzente.

00:07:52: Auch die Blazer können eine viel größere Rolle übernehmen als nur die Melodie zu spielen.

00:07:56: Eine Melodie kann mehrstimmig gesetzt werden, ein Saxophon kann eine Gegenstimme spielen während der Gesang die Hauptmelodie singt.

00:08:04: zwei Blas-Instrumente können gemeinsam eine Linie spielen oder sich gegenseitig ergänzen und natürlich kann man auch die Instrumentierung innerhalb eines Stückes verändern.

00:08:14: vielleicht ist das erste A nur Gesang und Gitarre im zweiten A kommt der Bass dazu im B-Teil des Schlagzeug und beim nächsten Durchgang spielt dann die gesamte Band.

00:08:24: Das sind alles Entscheidungen, die den Charakter eines Stückes verändern können ohne dass man dafür die eigentliche Kompositionen verändern muss.

00:08:32: Und genau solche Möglichkeiten haben wir uns im Workshop angehört.

00:08:37: Wir haben uns verschiedene Aufnahmen und Arrangements angehört und versucht nicht nur zu hören was dort passiert sondern auch zu verstehen warum es funktioniert.

00:08:46: Wenn man einfach nur sagt, das klingt cool und es funktioniert ist natürlich völlig okay und legitim.

00:08:52: Aber wenn wir anfangen genauer hinzuhören können wir daraus etwas für unser eigenes Spiel lernen.

00:08:58: zum Beispiel warum setzt die Band an dieser Stelle aus?

00:09:01: Warum kommt das Schlagzeug erst nach acht Takten dazu?

00:09:04: Warum wird das Thema an dieser stelle nur von zwei Instrumenten gespielt?

00:09:08: Und warum fühlt sich der nächste Einsatz der ganzen Band dadurch plötzlich so groß an?

00:09:14: Genau solche Fragen helfen uns dabei, Arrangement nicht als etwas abstraktes zu verstehen sondern als eine Art musikalisches Erzählen.

00:09:23: Denn letztendlich ist ein Arrangements auch Dramaturgie.

00:09:26: Wir überlegen wo soll die Musik hin?

00:09:29: Wann soll sie dichter werden und wann braucht sich Ruhe?

00:09:32: Wanne wollen wir einen Höhepunkt erzeugen und wann wollen wir vielleicht bewusst Spannung stehen lassen.

00:09:37: Nachdem wir uns diese Beispiele angehört und besprochen hatten, ging es für die beiden Kompos darum, diese Ideen auf die eigenen Stücke zu übertragen.

00:09:46: Und das war natürlich der spannende Teil!

00:09:48: Denn jetzt ging es nicht mehr darum ein bestehendes Arrangement zu analysieren sondern selbst Entscheidungen zu treffen.

00:09:55: Manchmal funktioniert eine Idee auf dem Papier hervorragend und klingt gespielt plötzlich gar nicht so gut... ...und manchmal entsteht beim Ausprobieren etwas dass man vorher gar nicht geplant hatte.

00:10:06: Damit kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt des Workshops, der Kommunikation.

00:10:11: Und damit meine ich nicht nur die musikalische Kommunikion sondern auch die Verbale und das ist manchmal gar nicht so einfach.

00:10:17: wie sagt man jemandem dass eine Idee nicht funktioniert ohne die Person vor den Kopf zu stoßen?

00:10:22: Wie entscheidet eine Gruppe wenn drei Leute etwas anderes ausprobieren wollen?

00:10:26: und wie schafft man es dass am Ende nichts einfach die lauteste Person entscheidet?

00:10:31: Das sind ebenfalls Fähigkeiten die man in einer Band lernen kann.

00:10:35: Ein gutes Arrangement muss nicht unbedingt die Idee einer einzelnen Person sein.

00:10:40: Es kann aus vielen kleinen Entscheidungen entstehen, die gemeinsam getroffen werden und genau das haben wir im Workshop versucht.

00:10:47: Wir haben Ideen ausprobiert, verworfen verändert und wiederholt.

00:10:52: Am Ende haben wir alle Ideen behalten, die funktioniert haben und haben die Stücke aufgenommen und gemeinsam vor den anderen Teilnehmenden aufgeführt.

00:11:00: Wir hatten dabei eine sehr schöne Resonanz bekommen gemeinsam mit Team-Erfahrung, alle haben was mitgenommen.

00:11:08: Haben aber auch gemerkt wir haben noch Raum zum Wachsen!

00:11:12: Genau deshalb möchten wir dieses Konzept auch weiterführen.

00:11:15: Wir werden eine ganze Reihe von Workshops zum Thema Bandplaying und Arrangements anbieten.

00:11:20: Die Idee ist dabei nicht an einem einzigen Wochenende drei Songs möglichst schnell einzustudieren und danach wieder auseinanderzugeben.

00:11:26: Wir wollen über einen längeren Zeitraum gemeinsam an Repertoire zusammenspielen und Arrangements arbeiten.

00:11:32: das bedeutet Wir können tiefer in die einzelnen Stücke einsteigen.

00:11:36: Wir können Arrangements weiterentwickeln, können unterschiedliche Besetzungen und Instrumentierungen ausprobieren und können uns noch intensiver damit beschäftigen wie eine Band miteinander kommuniziert und musikalisch reagiert.

00:11:49: Wenn du also Lust hast dein Zusammenspiel in einer Band zu verbessern gemeinsam Arrangement zu entwickeln Und nicht nur für dich alleine sondern wirklich mit anderen MusikerInnen an Musik zu arbeiten Dann schau gerne auf der Webseite der Global Jazz Academy vorbei, also www.global-jazz-academy.com.

00:12:08: Dort findest du alle Informationen zu den Workshops und zu den einzelnen Terminen.

00:12:13: Die Plätze sind begrenzt weil wir bewusst in kleinen Kombos arbeiten möchten Und natürlich lohnt es sich auch deshalb Weil wir über die einzelne Termine hinweg immer tiefer in das Thema einsteigen können.

00:12:25: Wir arbeiten am Repertoire, wir arbeiten an den Arrangements und vor allem arbeiten wir daran als Band besser miteinander zu spielen.

00:12:34: Und am Ende der Workshop-Reihe wollen wir das Ganze natürlich auch feiern mit einem Konzert und einer Session bei der wir die erarbeiteten Stücke präsentieren und gemeinsam auf die Bühne bringen!

00:12:46: Ich freue mich jedenfalls schon sehr drauf – vielleicht sehen wir uns ja bei einem der nächsten Workshops.

00:12:53: Bis dahin könnt ihr natürlich selbst auch einmal über das Thema nachdenken und euch Songs anhören und euch fragen, wie sie überhaupt arrangiert sind.

00:13:01: Und warum ihr die cool findet?

00:13:04: Das war's für heute!

00:13:05: Ich hoffe hier konntet ein paar Anregungen für euer eigenes Zusammenspiel und eure nächste Probe mitnehmen.

00:13:11: Wenn ihr mehr über die Workshop-Reihe und die Angebote der Global Jazz Academy erfahren möchtet dann schaut gerne auf unserer Website vorbei Und wir hören uns bei der nächsten Folge.

00:13:23: Bis dahin und bleibt kreativ!

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