Folge 35 - Der Quintenzirkel
Shownotes
Viele Musiker kennen ihn. Kaum jemand nutzt ihn wirklich.
Der Quintenzirkel hängt in Musikschulen, steht in Harmonielehre-Büchern und taucht immer wieder auf, wenn es um Tonarten oder Vorzeichen geht. Doch was steckt eigentlich dahinter? Warum begegnet er uns in nahezu jedem Jazzstandard? Und weshalb ist er weit mehr als eine Merkhilfe für Kreuze und Bs?
In unserer neuen Podcast-Folge nehmen wir euch mit auf eine musikalische Entdeckungsreise. Gemeinsam schauen wir uns den Aufbau des Quintenzirkels an, erklären seine Logik und zeigen, wie er euch dabei hilft, Akkordfolgen zu verstehen, II-V-I-Verbindungen zu erkennen und harmonische Zusammenhänge wirklich zu durchschauen.
Wie immer bleibt es dabei nicht bei der Theorie. Mit leicht nachvollziehbaren Hör- und Spielbeispielen erfahrt ihr, wie ihr den Quintenzirkel direkt beim Üben, Improvisieren und Zusammenspiel einsetzen könnt. Unser Ziel ist nicht, dass ihr den Kreis auswendig lernt – sondern dass ihr ihn als musikalische Landkarte versteht.
Jetzt reinhören und den Quintenzirkel endlich als das entdecken, was er wirklich ist: eines der wertvollsten Werkzeuge zum Verständnis von Musik.
Sprecher: Dominik Hahn
www.global-jazz-academy.com
Transkript anzeigen
00:00:07: Hallo und herzlich willkommen zur heutigen Folge von Jazzheads, dem Podcast der Global Jazz Akademie Berlin.
00:00:14: Mein Name ist Dominik Hahn und ich begrüße euch aus Münster!
00:00:19: Sagt mal habt ihr schon einmal einen Stadtplan in die Hand genommen obwohl ihr eigentlich gar nicht genau wusstet wohin ihr wolltet?
00:00:27: Vielleicht im Urlaub?
00:00:29: man steht irgendwo mitten in einer fremden Stadt überall Straßen Kreuzungen Plätze Namen die einem überhaupt nichts sagen Und plötzlich wiegt diese Karte eher verwirrend als hilfreich.
00:00:44: Doch dann entdeckt man den Punkt, sie befinden sich hier und auf einmal ergibt alles Sinn.
00:00:52: Die Straßen stehen nicht mehr einfach wahllos nebeneinander.
00:00:56: Man erkennt Zusammenhänge!
00:00:58: Man weiß wo man ist und plötzlich weiß man auch wo man hin möchte.
00:01:04: Mit dem Quintenzirkel über den wir heute sprechen geht es vielen Musikerinnen und Musikern ganz ähnlich.
00:01:10: Fast jeder hat ihn schon mal gesehen Ein Kreis voller Buchstaben.
00:01:14: Hier ein Kreuz, dort ein B, innen auf einmal noch Molltonarten, außen die Dur-Tonarten und irgendwo hat jeder einmal gehört.
00:01:23: Den musst du einfach auswendig lernen!
00:01:26: Aber warum eigentlich?
00:01:28: Was steckt wirklich hinter diesem Kreis?
00:01:30: Und vor allem wie können wir den Quintenzirkel für uns in der Praxis nutzen?
00:01:35: Heute möchte ich euch zeigen dass der Quintencircle viel mehr ist als eine Tabelle mit Vorzeichen.
00:01:42: Eigentlich ist er eine Landkarte.
00:01:44: Eine Landkart unserer Harmonik und wenn man einmal verstanden hat, wie diese Landkarten funktioniert verändert sich der Blick auf Musik ganz grundsätzlich.
00:01:54: Vielleicht kennt ihr das.
00:01:56: Ihr schlagt ein Leadsheet auf Oben stehen drei Kreuzer oder vier B's.
00:02:02: Ihr wisst zwar ungefähr was es bedeutet aber innerlich beginnt schon das Rechnen Moment drei Kreuzer, war das A-Dur oder E-Duur?
00:02:12: Or ihr spielt einen Jazzstandard und wundert euch warum scheinbar ständig dieselben Akkordbewegungen auftauchen.
00:02:21: Zwei fünf eins Dominanten Turnarounds Alles scheint irgendwie miteinander verwandt zu sein Und genau das ist kein Zufall.
00:02:31: Der Quintenzirkel zeigt uns nämlich genau diese Verwandtschaft.
00:02:35: Deshalb möchte ich nun gar nicht mit Vorzeichen beginnen.
00:02:38: Ich möchte mit einer viel einfacheren Frage anfangen, warum heißt der Quintenzickel eigentlich Quintencickel?
00:02:45: Nehmen wir als Ausgangspunkt C-Dur.
00:02:48: Warum C?
00:02:49: Ganz einfach!
00:02:50: C-dur besitzt keine Vorzeiche Keine Kreuze, keine Bs Sozusagen unser musikalischer Nullpunkt.
00:02:59: Und jetzt gehen wir immer einen Schritt weiter Von C nach G. Wenn ihr diese beiden Töne einmal auf eurem Instrument spielt oder einfach innerlich mitsinkt, werdet ihr feststellen zwischen ihnen liegt eine Quinte.
00:03:13: Und genau das passiert jetzt immer wieder von G nach D wie deine Quinte Von D nach A schon wieder in der Quinte von a nach e Immer derselbe Abstand und deshalb heißt dieser Kreis Quintenzirkel.
00:03:29: Ihr bewegt euch im Uhrzeigersinn immer in Quinden Und jetzt wird es spannend, denn viele Jazzmusikerinnen und Musiker sprechen gar nicht vom Quintenzirkel.
00:03:39: Sie sprechen vom Quartenzirkle!
00:03:41: Ist das jetzt ein anderer Kreis?
00:03:43: Nein keine Sorge... Es ist exakt derselbe.
00:03:46: Wir schauen ihn lieglich.
00:03:47: von der anderen Seite an Gehen wir nämlich gegen den Uhrzeigersinn passiert Folgendes Von C nach F Von F nach B Von b nach s. Jetzt bewegen wir uns jeweils eine Quad nach oben Und genau diese Richtung begegnet uns im Jazz ständig.
00:04:07: Wenn wir später über Zwei-Fünf-Eins-Verbindungen sprechen, werdet ihr das merken?
00:04:11: Eigentlich laufen wir permanent gegen den Uhrzeigersinn!
00:04:15: Das ist einer der Gründe warum Jazzmusikerinnen und Jazz Musiker lieber vom Quarrenzirkel sprechen – beides ist natürlich richtig.
00:04:22: Es hängt nur davon ab aus welcher Richtung ihr auf denselben Kreis schaut.
00:04:27: Bis hierhin klingt es vielleicht alles noch recht theoretisch aber jetzt kommt ja eigentliche Clue….
00:04:32: Der Quintenzirkel sortiert die Tonarten nicht alphabetisch, nicht zufällig sondern nach ihrer klanglichen Nähe.
00:04:40: Tonarten, die nebeneinander liegen unterscheiden sich nur ganz wenig – sie besitzen fast dieselben Töne und deshalb funktionieren Übergänge zwischen ihnen oft besonders gut!
00:04:52: Nehmen wir wieder Zidur, die direkt Nachbarn sind G-Dur & F-Duur.
00:04:58: Jetzt denkt einmal an all die Songs.
00:05:00: ihr kennt Wie oft kommen genau diese Akkorde vor?
00:05:04: C F G. Unzählige Male, nicht weil Komponisten faul sind sondern weil unser Ohr diese Verwandtschaft liebt.
00:05:13: Es empfindet die Wechsel als logisch, als natürlich, als stimmig.
00:05:19: Der Quinn-Zickel beschreibt also etwas das wir längst hören.
00:05:23: Er erklärt lediglich warum wir es hören und genau deshalb ist er so wertvoll.
00:05:28: Jetzt werfen wir doch natürlich einen kurzen Blick auf Vorzeichen, denn natürlich gehören sie zum Quintenzirkel dazu.
00:05:34: Viele kennen ihn sogar genau deshalb!
00:05:37: Aber vielleicht habt ihr heute schon gemerkt die Vorzeiche sind eigentlich nicht der Ausgangspunkt?
00:05:42: Sie sind die Folge eines Systems und genau das macht den Unterschied.
00:05:47: Beginnen wir also wieder bei C-Dur unserer Ausgangstonart.
00:05:50: Sie besitzt keine Vorzeichten.
00:05:53: Gehen wir nun im Uhrzeigersinn einen Schritt weiter.
00:05:55: landen wir bei G-DUR.
00:05:57: Damit die charakteristische Abfolge von ganz und halb Tonschritten einer Dur-Tonleiter erhalten bleibt, muss ein Ton in diesem Fall der siebte Ton also das F verändert werden.
00:06:08: Aus dem F wird in G-Dur deshalb einen Fiss und somit hat G-dur genau einen Kreuz.
00:06:15: Gehen wir nun einen weiteren Schritt zu D-Dure verschwindet dieses Fiss nicht einfach.
00:06:21: Es bleibt erhalten und zusätzlich kommt ein weiteres Kreuz – Das CIS.
00:06:27: In ADO bleiben Fiss und Cis weiter bestehen, und es kommt das Gist dazu.
00:06:31: Bei EDUOR ergänzt sich anschließend noch das DISS – so geht's immer weiter!
00:06:35: Jede neue Tonart übernimmt also alle Vorzeichen ihres direkten Nachbarn untergänzt genau um ein weiteres.
00:06:42: Deshalb wächst die Anzahl der Kreuze Schritt für Schritt von einem bis schließlich zu sieben.
00:06:48: In die andere Richtung funktioniert das Prinzip ganz genauso.
00:06:52: Gehen wir also von CDUOR nach EFTUOR benötigt die Tonleiter ein B. Gehen wir weiter, nach bedur bleibt dieses b erhalten und zusätzlich kommt ein s hinzu.
00:07:03: Danach folgen S-Dur mit drei Bs, A-Stur mit vier, D-Stuhr mit fünf usw.
00:07:10: Auch hier wird nichts ersetzt oder neu begonnen.
00:07:12: Jede Tonart übernimmt auch alle bisherigen Vorzeichen und ergänzt lediglich um ein weiteres.
00:07:19: Vielleicht erkennt ihr jetzt auch warum die Reihenfolge der Vorzeiche immer dieselbe ist?
00:07:23: Bei den Kreuztonaten lautet sie Fiss, Ziss Giss, diss, eis, ehs und hiss.
00:07:32: Bei den B-Tonaten ist es genau umgekehrt.
00:07:36: b s aß des gess zess und fess.
00:07:40: Auch das ist kein Zufall.
00:07:43: Es ergibt sich unmittelbar aus dem Aufbau des Gründenzirkels.
00:07:46: Natürlich gibt es dafür auch Merksprüche Vielleicht habt ihr sie sogar aus dem Musikunterricht im Kopf.
00:07:51: Für die Kreuztonaten heißt es häufig Ge du alter Esel hol Fisch.
00:07:57: Für die Betonarten nutzen viele frische Brötchen Essenasse des Gesangs.
00:08:04: Aber ihr könnt auch dieselbe Reihenfolge des Merkspruchs der Kreuztonarten einfach rückwärts denken, um euch die Betонarten zu merken.
00:08:13: Das Schöne daran ist wenn Ihr den Aufbau des Quintenzirkels verstanden habt müsst Ihr diese Merksprüche irgendwann gar nicht mehr parat haben!
00:08:21: Ihr könnt Euch jede Tonart logisch herleiten und genau das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieser Podcast-Folge.
00:08:28: Der Quintenzirkel ist keine Liste, die man auswendig lernen muss.
00:08:32: Er zeigt uns ein System Wenn ihr versteht dass jede Tonart auf ihrer Nachbartonat aufbaut und lediglich einen Vorzeichen ergänzt müsst ihr nie wieder rätseln wie viele Kreuz oder B seine Tonart besitzt.
00:08:44: Ihr könnt es euch jederzeit selbst erschließen.
00:08:47: Genau das ist der Unterschied zwischen Auswendig gelerntem Wissen und echte musikalischen Verständnis.
00:08:53: Und jetzt entdecken wir noch eine zweite Ebene.
00:08:56: Schaut einmal gedanklich in dem Kreis nach innen.
00:08:59: Dort stehen weitere Tonaten, die Moltonaten.
00:09:03: Vielleicht habt ihr schon mal gefragt warum sie genau dort stehen?
00:09:06: Die Antwort ist überraschend einfach!
00:09:08: Jede Durtonat besitzt eine sogenannte parallele Moltonat.
00:09:13: Beide verwenden exakt dieselben Vorzeichen also C-Dur und Amol oder G-Duur & E-Mol F-Duer und D-Moll.
00:09:23: Es ist nicht nötig zwei verschiedene Vorzeichensysteme zu lernen.
00:09:27: Die Tonarten teilen sich dieselbe harmonische Familie.
00:09:31: Jede parallele Molltonat liegt eine kleine Terz unter ihrer Durtonat, also drei Halbtöne nach unten und das macht das Lernen plötzlich viel einfacher!
00:09:42: Und gleichzeitig beginnt man zu verstehen warum manche Stücke trotz gleicher Vorzeichen völlig unterschiedlich wirken, denn obwohl sie dieselben Töne verwenden verändert allein der Grundton den gesamten Charakter der Musik.
00:09:58: wird aus einem Kreis plötzlich ein musikalisches Navigationssystem.
00:10:03: Denn bis jetzt haben wir eigentlich nur gelernt, ihn zu lesen – fast so als würden wir eine Landkarte betrachten!
00:10:10: Doch eine Land-Karte wird erst dann interessant wenn wir anfangen mit ihr zu reisen und genau das machen wir jetzt.
00:10:17: Bis hierhin haben wir den Quintenzirkel eigentlich erstmal kennengelernt.
00:10:22: Wir wissen jetzt wie er aufgebaut ist, wir wissen warum er so heißt.
00:10:26: Wir wissen, warum auf der einen Seite die Kreuze und auf der anderen Seite die Bees stehen.
00:10:30: Aber ehrlich gesagt... Das könnt ihr auch in jedem Musikbuch nachlesen!
00:10:35: Die viel spannende Frage lautet doch Was kann ich jetzt eigentlich damit anfangen?
00:10:40: Denn genau an dieser Stelle hört die Theorie meistens auf Und genau dort beginnt für uns die eigentliche Musik.
00:10:48: Stellt euch einmal vor ihr bekommt Auf einer Probe ein Litsch in die Hand.
00:10:51: Oben stehen vier Kreuzen.
00:10:54: Früher hätte man vielleicht gedacht Mist, viel Kreuzer.
00:10:57: Welche Tonart war das noch gleich?
00:11:00: Heute schaut ihr innerlich auf eurem Kündensirkel.
00:11:03: Ihr beginnt bei C. Einen Schritt G. Zwei D. Drei A vier E. Fertig!
00:11:13: Kein Auswendiglernen, keine Iselsbrücke sondern ein logischer Weg.
00:11:17: und plötzlich passiert etwas Interessantes.
00:11:20: Ihr denkt nicht mehr in Vorzeichen, ihr denkt in Beziehung.
00:11:24: Und genau das macht später den Unterschied, denn Musik besteht nie aus einzelnen Informationen.
00:11:30: Sie besteht aus Zusammenhängen.
00:11:32: Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter.
00:11:34: Nehmen wir ein Akkord zum Beispiel G-Sieben.
00:11:37: Wenn ihr Jazz spielt wisst ihr wahrscheinlich sofort Dominantakorde besitzen eine Richtung sie erzeugen Spannung und diese Spannungen möchte sich auflösen Aber wohin?
00:11:49: Schauen wir also wieder auf dem Quintenzirkel Ein Schritt gegen den Uhrzeigesinn.
00:11:53: vom G aus betrachtet liegt C. Und genau dort möchte G-Sieben hin auflösen, und das ist keine pure Theorie!
00:12:02: Der Quintenzirkel beschreibt etwas, dass unser Ohr empfindet... Jetzt wird es ein wenig jäsig, denn wahrscheinlich kennt ihr alle diese Akkordfolge Dm七, Gm sieben, C Major sieben Eine berühmte Zwei Fünf Eins Verbindung.
00:12:19: Fast jede Jazzmusikerin und jeder Jazzmusika begegnet sie früher oder später.
00:12:24: Viele lernen diese drei Akkorde einfach auswendig, spielen sie in allen Tonarten.
00:12:30: aber schaut einmal nur auf die Grundtöne D G C Und jetzt stellt euch den Quintenzirkel vor.
00:12:40: ihr lauft einfach gegen den Uhrzeigersinn.
00:12:43: einen Schritt noch ein Schritt und schon sind wir wieder angekommen.
00:12:48: Und plötzlich wirkt eine Zwei-Fünf-Eins-Kadenz gar nicht mehr wie eine magische Formel.
00:12:53: Es ist einfach eine natürliche Bewegung, vom D zu G und zurück zu C – einer harmonischen Reise!
00:13:00: Und genau deshalb taucht sie in unzähligen Jazzstandards immer wieder auf.
00:13:05: Vielleicht kennt ihr den Satz «Jazz besteht eigentlich nur aus Zwei-, Fünf-, Einsverbindungen».
00:13:10: Natürlich stimmt das so nicht aber ein kleines bisschen Wahrheit steckt schon darin.
00:13:15: Denn wenn Ihr einmal beginnt Jazzstandarts zu analysieren Entdeckt ihr überall diese Bewegung, nicht nur in einer Tonart sondern ständig.
00:13:23: Mal in C, mal in F, mal im B und immer wieder folgt die Harmonie demselben Prinzip.
00:13:30: Der Quintenzirkel ist also kein Bild an der Wand.
00:13:34: Er ist gewissermaßen ein Straßenplan vieler Jazzstandards.
00:13:38: Das beste Beispiel dafür Autumn Leaves.
00:13:42: Sicher habt ihr das Stück schonmal gespielt oder vielleicht schon Dutzende Male.
00:13:46: Wenn man sich nur die Grundtöne der Harmonien anschaut, erkennt man sofort.
00:13:50: Da bewegt sich unglaublich viel entlang des Quintenzirkels und genau deshalb lohnt es sich den Quinten-Zirkel nicht einfach nur auswendig zu lernen sondern zu verstehen.
00:13:59: Jetzt kommt ein Gedanke, den ich persönlich besonders spannend finde Vor allem beim Improvisieren.
00:14:06: Viele Musikerinnen und Musikern denken beim Improvisieren zuerst an Skalen.
00:14:10: Welche Skala passt?
00:14:11: Welche Töne darf ich spielen?
00:14:13: Natürlich ist das wichtig!
00:14:14: Und auch überhaupt nicht falsch.
00:14:16: Aber gute Improvisationen entstehen selten dadurch, dass man einfach möglichst viele Skalen kennt.
00:14:23: Sie entsteht dadurch, das man versteht wohin die Musik unterwegs ist und auch hierbei kann der Quintenzirkel sehr gut helfen.
00:14:32: Er zeigt euch nämlich nicht nur wo ihr gerade seid sondern auch oft wohin Die Harmonie als nächstes möchte.
00:14:38: Und plötzlich verändert sich euer Hören.
00:14:41: Ihr spielt nicht mehr nur noch den aktuellen Akkord Ihr hört bereits den nächsten, vielleicht sogar den übernächsten.
00:14:47: Und genau das macht dann Linien flüssiger Melodin logischer und Soli erzählerischer.
00:14:54: Denn Improvisation ist am Ende nichts anderes als musikalisches Vorausdenken!
00:14:59: Und genau dabei kann uns der Quintenzirkel ein wunderbarer Begleiter sein.
00:15:03: Der Quintenzirkel ist nicht statisch Er steht für Bewegung fast wie ein Fluss Und genau deshalb sprechen wir auch manchmal von harmonischer Gravitation.
00:15:14: Akkorde ziehen sich gegenseitig an, nicht zufällig, sondern aufgrund ihrer Funktion.
00:15:19: Und je länger ihr euch mit Jazz beschäftigt, desto häufiger werdet ihr genau diese Bewegung hören – nicht nur bewusst, sondern irgendwann ganz intuitiv.
00:15:28: und das ist das eigentliche Ziel!
00:15:30: Nicht ständig an den Quintenzirkel zu denken, sondern ihn verinnerlich zu haben dass das Ohr automatisch erkennt.
00:15:37: A jetzt geht die Harmonie wahrscheinlich dorthin... ...und genau dann wird aus der Theorie plötzlich Musik.
00:15:44: Vielleicht habt ihr euch beim Zuhörenden gefragt, warum wir erstaunlich wenig über Vorzeichen sprechen.
00:15:50: Das geschieht ziemlich bewusst!
00:15:52: Viele denken der Quintenzirkel sei ausschließlich eine Tabelle einer Eselsbucke oder ein Nachschlagewerk und natürlich ist das auch nicht falsch aber er ist weitaus mehr als dass Er beschreibt wie Musik funktioniert Und das ist ein großer Unterschied.
00:16:07: vielleicht habt Ihr euch außerdem gefragt warum der quinta zirkle überhaupt ein kreis ist.
00:16:12: Warum ändert er nicht einfach irgendwann?
00:16:14: Warum hören wir nach sieben Kreuzen oder sieben Bees nicht einfach auf.
00:16:19: Die Antwort ist faszinierend!
00:16:21: Wenn wir immer weiter in Quinten gehen, kommen wir für einfach gesagt irgendwann wieder am Ausgangspunkt an – nicht weil sich die Töne tatsächlich wiederholen würden sondern weil unser Tonsystem aus nur zwölf verschiedenen Tönen besteht und nach genügend Schritten treffen wir deshalb wieder auf einen Ton der denselben Klang besitzt auch wenn er manchmal anders geschrieben wird.
00:16:43: In der Musik sprechen wir dabei von enharmonischer Verwechslung.
00:16:48: Das klingt zunächst kompliziert, aber ein einfaches Beispiel sind die Töne Fiss und Gess.
00:16:55: Auf dem Klavier ist es dieselbe Taste Aber je nach harmonischem Zusammenhang bekommt sie dann einen anderen Namen Und genau das schließt diesen Kreis Nicht weil die Musik kreisförmig sein muss sondern Weil unser Tonsystem nach zwölf Halbtönen wieder am Anfang ankommt.
00:17:13: Das ist übrigens ein schönes Bild.
00:17:16: Musik ist kein grader Weg, sie entwickelt sich, sie bewegt sich und irgendwann kehrt sie wieder nach Hause zurück.
00:17:23: Vielleicht ist das auch eine der Gründe warum wir Kadenzen als stimmig oder befriedigend empfinden.
00:17:29: Sie vermitteln das Gefühl angekommen zu sein.
00:17:32: Auf Spannung folgt eine Auflösung Und genau dieses Gefühl beschreibt der Quintenzirkel auf erstaunlich einfacher Weise.
00:17:40: Ich möchte euch deshalb zum Abschluss noch eine kleine Hörübung mit auf den Weg geben.
00:17:44: Nicht am Instrument, sondern im Alltag!
00:17:47: Wenn ihr heute oder morgen Musik hört – ganz egal ob Pop, Jazz oder andere Musikrichtungen – achtet einmal nicht nur auf die Melodie, sondern achtet dabei auf die Harmonie.
00:17:58: Versucht daraus zu hören wann Spannung entsteht und wenn sie sich wieder auflöst vielleicht erkennt ihr sogar eine dominante oder eine Zwei-Fünf-Eins-Verbindung?
00:18:08: Oder ihr habt das Gefühl Das klingt, als würden wir wieder am Ausgangspunkt ankommen.
00:18:14: Und genau das meint funktionierender Harmonik.
00:18:17: und genau deshalb lohnt es sich den Quintenzirkel wirklich auch zu verstehen nicht als Grafik sondern als Klangbild.
00:18:24: Denn letztlich hört niemand im Publikum eure Theorie Kennnisse Die Menschen hören nur ob Musik logisch erzählt wird Ob Spannungen entstehen Ob sie sich auflösen Ob eine Solo-Einerrichtung hat Ob Akkorde miteinander sprechen.
00:18:38: Der Quintenzirkel hilft uns dabei, diese Sprache besser zu verstehen und anzuwenden.
00:18:43: Und wisst ihr was ich an diesem Thema besonders schön finde?
00:18:47: Man kann den Quintenzirkel natürlich alleine lernen!
00:18:49: Man kann Bücher lesen, man kann Videos anschauen Übungen machen.
00:18:53: aber so richtig lebendig wird er erst wenn man ihn gemeinsam erlebt Wenn plötzlich der Bass genau dorthin geht wo die Harmonie hin möchte Wenn das Klavier die nächste Kadenz vorbereitet Wenn das Schlagzeug diese Bewegung unterstützt Und wenn aus einzelnen Musikerinnen und Musikern eine Band wird, die dieselbe Sprache spricht.
00:19:13: Genau deshalb spielt gemeinsames Musizieren bei uns in der Global Jazz Academy eine wichtige Rolle.
00:19:20: In diesem Sommer veranstalten wir daher wieder einen unserer Summer Workshops.
00:19:24: Natürlich geht es um Jazz Um Improvisation natürlich beschäftigen wir uns mit Harmonik.
00:19:30: Vor allem geht es uns aber auch darum Menschen zusammenzubringen Menschen, die dieselbe Begeisterung für Musik teilen.
00:19:36: Die Lust haben gemeinsam zu spielen sich auszutauschen vielleicht neue musikalische Freundschaften zu knüpfen Voneinander zu lernen sich zu inspirieren Denn oft entsteht der größte Lernfortschritt nicht nur im Unterricht sondern in einer Kaffeepause bei einem gemeinsamen Mittagessen oder Bei der spontanen Zäschen am Abend.
00:19:56: Musik war schon immer Gemeinschaft und genau das möchten wir mit unserem Workshop schaffen.
00:20:03: Wenn euch das Thema Harmonik heute neugierig gemacht habt und ihr noch tiefer eintauchen möchtet, dann schaut doch gerne auf unser Homepage vorbei.
00:20:11: Dort findet ihr zahlreiche Instrumental- und Theoriekurse – alle ganz risikofrei auch als kostenlose Problektionen zum Testen!
00:20:20: Unser Ziel bei allen Kursen ist es nicht möglichst viel Theorie zu vermitteln sondern unser Ziel ist dass Ihr Musik besser versteht, dass Ihr freier improvisiert, sicherer begleitet und mit noch mehr Freude Musik macht.
00:20:34: Darum geht es uns bei der Global Jazz Academy.
00:20:36: Musik soll nicht komplizierter werden, sondern verständlicher!
00:20:40: Und wenn ihr heute nach dieser Folge den Quintenzirkel das nächste Mal seht und nicht mehr nur denkt oh nein schon wieder dieser Kreis, sondern ah da ist ja meine Landkarte dann haben wir heute gemeinsam eine Menge erreicht.
00:20:55: Schön dass ihr heute dabei wart.
00:20:57: ich hoffe ihr konntet etwas für euer eigenes Musikieren mitnehmen.
00:21:01: Wenn euch diese Folge gefallen hat Dann freuen wir uns natürlich, wenn ihr den Jazzheads Podcast abonniert und mit anderen Jazz-Begeisterten teilt.
00:21:11: Bis zur nächsten Folge macht's gut, bleibt neugierig und vor allem habt viel Freude beim Musikieren!
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