Folge 33 – Gute Solisten machen noch keine gute Band
Shownotes
Warum Zusammenspiel wichtiger ist als Virtuosität.
Gutes Zusammenspiel wirkt oft selbstverständlich.
Eine Band beginnt zu spielen und plötzlich klingt alles wie aus einem Guss.
Doch was passiert eigentlich zwischen dem ersten Blickkontakt und dem letzten Akkord?
In dieser Folge sprechen wir über die Kunst des Zusammenspiels in einer Jazzband. Über kleine Absprachen mit großer Wirkung. Über Tempo, Form, Soli, Dynamik und die Frage, warum Zuhören manchmal wichtiger ist als Spielen.
Wir werfen einen Blick auf typische Abläufe eines Jazzstandards, sprechen über Arrangements, spontane Entscheidungen und darüber, wie aus einzelnen Musikerinnen und Musikern ein echtes Ensemble wird.
Denn gutes Zusammenspiel entsteht nicht durch lange Diskussionen, sondern durch Aufmerksamkeit, Vertrauen und die Bereitschaft, gemeinsam Musik entstehen zu lassen.
Eine Folge für alle, die schon einmal in einer Session saßen und gespürt haben: Da geht noch mehr.
Sprecher: Dominik Hahn
web: www.global-jazz-academy.com
Sommer-Workshop:
📅 22. & 23. August 2026
⏰ jeweils 11:00–17:00 Uhr
📍 Kunstfabrik / Jazzclub Schlot, Berlin
Anmeldung: https://forms.gle/W2x61KC3nBRYcixEA
Transkript anzeigen
00:00:07: Hallo und herzlich willkommen zur heutigen Folge von Jazz Heads, dem Podcast der Global Jazz Academy Berlin.
00:00:14: Mein Name ist Dominik Hahn und ich begrüße euch aus Münster.
00:00:18: Schön dass ihr wieder dabei seid!
00:00:20: Heute sprechen wir über ein Thema das eigentlich jede Band betrifft – egal ob auf einer Jam Session einem Workshop als Schulband, Amateur-Kombo oder Profi-Assemble.
00:00:32: Es geht ums Zusammenspiel Und das ist interessant, denn wenn man Menschen fragt was Jazz ausmacht dann kommen oft Antworten wie Improvisation, Swing, Freiheit oder Kreativität.
00:00:46: Aber die eigentliche Magie entsteht häufig ganz woanders – nämlich dann, wenn mehrere Menschen gleichzeitig Musik machen und plötzlich etwas Gemeinsames entsteht.
00:00:56: Etwas das größere als die Summe der einzelnen Musikerinnen und Musikern.
00:01:01: Und genau darüber wollen wir heute sprechen!
00:01:04: Denn erstaunlicherweise scheitert gutes Zusammenspiel oft nicht an den schwierigen Dingen.
00:01:10: Nicht an komplizierten Akkorden, nicht an schnellen Läufen, an ausgefallene Harmonik sondern an ganz einfachen Fragen.
00:01:18: Welches Stück spielen wir überhaupt?
00:01:21: Welches Tempo, Swing oder Bosser?
00:01:23: gibt es ein Intro?
00:01:25: Wer spielt die Soli und wie kommen wir eigentlich wieder gemeinsam zum Schluss?
00:01:31: Das klingt erstmal banal Aber genau hier beginnt gutes Zusammenspiel.
00:01:36: Denn wenn mehrere Musikerinnen und Musiker auf die Bühne gehen, und jeder hat eine andere Vorstellung davon wie das Stück laufen soll, dann wird es schwierig – selbst wenn alle hervorragend spielen können!
00:01:47: Deshalb sind kurze Absprachen oft Gold wert….
00:01:51: Und mit kurz meine ich wirklich kurz, denn das Ziel ist nicht vor jedem Stück einer halbstündige Konferenz abzuhalten ….
00:01:58: Das Ziel ist Musik zu machen, nicht über Musik zu diskutieren….
00:02:03: Ein Blick auf den Zettel, autumn leaves.
00:02:07: Swing, okay Tempo, Medium Intro Letztenachtaktor Soli, Saxophon und Piano.
00:02:16: Alles klar?
00:02:17: Und los geht's!
00:02:19: Mehr braucht es häufig gar nicht Denn sobald der erste Ton erklingt beginnt etwas anderes.
00:02:25: Dann geht das nicht mehr um die Planung dann geht es um zuhören.
00:02:31: Ist das die wichtigste Fähigkeit überhaupt?
00:02:34: Nicht allein das Spielen oder die individuellen Stärken, sondern das Hören und damit meine ich zuhören.
00:02:42: Viele Musikerinnen und Musiker konzentrieren sich selbstverständlich zunächst auf sich selbst – auf die eigene Noten, den eigenen Sound, das eigene Solo.
00:02:50: Und das ist auch gut!
00:02:52: Denn wenn du dich selber gut kennst dann kannst du etwas passendes beitragen.
00:02:57: Aber Zusammenspiel beginnt genau in dem Moment, indem man seine Aufmerksamkeit erweitert.
00:03:04: Was macht eigentlich der Bass?
00:03:06: Wie begleitet das Klavier?
00:03:08: Wie entwickelt sich die Dynamik?
00:03:10: Was passiert im gesamten Ensemble?
00:03:13: Man könnte sagen – Die Ohren werden größer!
00:03:16: Und genau dann wird Musik spannend.
00:03:20: Nehmen wir einmal den typischen Ablauf eines Jazz-Standards.
00:03:24: Vielleicht spielen wir zunächst ein Intro.
00:03:28: Sehr beliebt sind die letzten vier oder acht Takte eines Stücks.
00:03:31: Damit schafft man einen klaren Einstieg.
00:03:34: Dann kommt das Thema, danach folgen die Soli und genau hier wird das Zusammenspiel besonders interessant Denn ein Solo ist nicht nur einfach die Zeit in der eine Person improvisiert.
00:03:46: Eigentlich improvisiert die gesamte Band.
00:03:49: Der Solist steht zwar im Mittelpunkt aber Die Begleitung gestaltet stets aktiv mit.
00:03:54: sie reagiert Sie unterstützt sie kommentiert sie schafft Räume Und manchmal bedeutet Unterstützung sogar bewusst weniger zu spielen.
00:04:04: Das ist übrigens eine der schwierigsten Lektionen überhaupt, nicht immer mehr machen sondern manchmal eben auch weniger.
00:04:12: Musikalische Kommunikation funktioniert ähnlich wie ein gutes Gespräch.
00:04:17: Wenn alle gleichzeitig reden versteht man irgendwann niemanden mehr.
00:04:21: Ein schönes Solo braucht Luft Platz Raum zum Atmen und genau diesen Raum kann die Band schaffen.
00:04:29: Spannend wird es auch beim Aufbau ein Stück.
00:04:33: Viele Sessions laufen nach dem gleichen Motto, Thema Solo eins, solo zwei, solo drei, Thema Ende.
00:04:40: Das funktioniert – keine Frage!
00:04:43: Aber oft lässt sich mit kleinen Ideen deutlich mehr Spannung erzeugen.
00:04:48: Stellt euch vor, nach einem längeren Pianosolo beginnt das Saxophon-Solo nicht direkt mit voller Band.
00:04:55: Vielleicht spielen zunächst nur Saxophone und Kontrabass?
00:04:59: Nach einigen Tag... kommt das Schlagzeug dazu dann das Klavier.
00:05:02: Plötzlich entsteht ein neuer Klang und eine neue Energie, einen neuen Abschnitt Und alle spüren sofort hier entwickelt sich etwas.
00:05:12: Solche kleinen Arrangements müssen gar nicht kompliziert sein aber sie beinhalten Überraschungen und diesen spannend für alle.
00:05:20: Oft sind es sogar die einfachen Ideen die am besten funktionieren.
00:05:24: Wichtig ist nur dass alle aufmerksam bleiben Denn natürlich kann man vieles planen.
00:05:30: Genauso wichtig ist, dass etwas spontan entstehen darf.
00:05:34: Vielleicht läuft das Saxophon-Solo heute besonders gut?
00:05:38: Vielleicht entwickelt sich eine Idee die alle mitnimmt?
00:05:41: Warum also zwanghaft nach acht Takten abbrechen?
00:05:45: Vielleicht kommt spontan ein Kontrabassolo!
00:05:48: Vielleicht wird das Ende länger ein Wamp vielleicht entwickelt sich etwas völlig anderes und das gehört genauso zum Jazz.
00:05:56: Deswegen sprechen wir oft von Go with the Flow.
00:06:00: Musik ist kein starres Konzept.
00:06:03: Sie lebt, sie verändert sich und gutes Zusammenspiel bedeutet diese Veränderung wahrzunehmen und gemeinsam darauf zu reagieren.
00:06:12: Dafür braucht es allerdings etwas Entscheidendes – gegenseitigen Respekt!
00:06:17: Jede Stimme in der Band ist wichtig, jeder trägt Verantwortung und jeder bekommt seinen Platz.
00:06:23: Das ist übrigens einer der Gründe warum man beim Zusammenschiel so unglaublich viel lernt nicht nur musikalisch sondern auch menschlich.
00:06:30: Man lernt zuhören zu reagieren, Verantwortung zu übernehmen sich zurückzunehmen und manchmal auch mutig nach vorne zu gehen.
00:06:39: Genau deshalb können Musikerinnen und Musiker auf der ganzen Welt miteinander spielen oft sogar ohne dieselbe Sprache zu sprechen.
00:06:46: sie respektieren einander.
00:06:48: Ein Blick einen nicken ein kleines Handzeichen und plötzlich wissen alle wo es hingeht.
00:06:53: das ist eigentlich etwas ziemlich faszinierendes Und genau dieses Selbstverständnis entsteht nicht durch Theorie sondern durch gemeinsames musizieren.
00:07:03: Das haben wir uns in der Global Jazz Akademie zur Herzen genommen und möchten euch gerne auf einen Assemble-Workshop-Wochenländer aufmerksam machen.
00:07:10: Denn genau dort beschäftigen wir uns mit dem Thema ganz praktisch!
00:07:15: Am Zweiundzwanzigsten und Dreiundzwanzensten August treffen wir uns an der Kunstfabrik Schlot in Berlin, jeweils in der Zeit von elf bis siebzehn Uhr.
00:07:23: Geleitet wird der Workshop von David Rianne Humulina.
00:07:27: Das Wochenende richtet sich an Musikerinnen und Musikern mit mittleren bis fortgeschrittenen Spielniveau, die bereits erste Erfahrung im Zusammenspiel und in der Improvisation mitbringen.
00:07:37: Gemeinsam arbeitet ihr an Jazzstandards – an Kommunikation, Timing, Improvisation, Anassemble-Klang und natürlich am Zusammenschiel selbst!
00:07:46: Nicht als theoretisches Konzept sondern direkt in der Praxis.
00:07:51: Am Ende werden sogar drei Stücke professionell als Video aufgezeichnet.
00:07:56: Wenn ihr also schon mal erlebt habt, dass hier in einer Session steht und denkt eigentlich weiß ich was sich spielen möchte aber irgendwie fühlt sich die Band noch nicht wie eine Einheit an dann könnte dieses Wochenende genau das richtige für euch sein.
00:08:08: Denn Zusammenspiel ist keine Geheimwissenschaften Es ist ein Handwerk Und wie jedes Handwerk kann man es lernen mit offenen Ohren Mit Neugier und vor allem gemeinsam.
00:08:20: Alle Infos zu dem Workshop-Wochenende findet ihr in der Podcastbeschreibung oder ihr abonniert einfach unseren Newsletter, damit ihr immer auf dem laufenden Seite was sich in der Global Jazz Academy tut.
00:08:31: In diesem Sinne hört aufeinander, lasst Raum, bleibt wachsam und habt Freude daran gemeinsam Musik entstehen zu lassen!
00:08:40: Und damit verabschiede ich mich für heute.
00:08:43: Vielen Dank dass ihr dabei gewesen seid.
00:08:44: bis bald und Tschüss.
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