Folge 32 – Improvisation - Licks & Lines
Shownotes
In dieser Folge von Jazzheads geht es um Bebop-Licks, melodische Lines und die Sprache der Jazz-Improvisation.
Du erfährst, warum Licks ein wichtiger Bestandteil traditioneller Jazzsoli sind, wie du sie sinnvoll übst und weshalb Transkriptionen entscheidend für authentische Improvisation sein können.
Transkript anzeigen
00:00:06: Hallo und willkommen zurück zu einer weiteren Folge von Jazzheads.
00:00:10: Ich bin David Molina, heute geht es um die Improvisation – und zwar um Bebop Lines und Licks!
00:00:18: Wie viele von euch wissen handelt es sich bei der traditionellen Improvisation im Jazz nicht um die komplette Erfindung neuer Musik sondern um die kreative Reproduktion vorhandener Jazz-Phrasen Ähnlich wie beim Freestyle-Rap, in denen die Rapper in Echtzeit einen Text bzw.
00:00:38: eine Geschichte komponieren.
00:00:41: Dabei nehmen sie Wörter aus unserer Sprache und benutzen einen grammatikalisch sinnvollen Satzbau und kreieren eine eigene Geschichte.
00:00:50: Nach dem gleichen Prinzip funktioniert die Improvisation im Jazz.
00:00:55: Die vorhandenen Wörtern sind die Noten und der Satzbau entspricht der Harmonie und dem Rhythmus.
00:01:02: Im traditionellen Sinne improvisieren diejenigen, die solieren innerhalb der Form einer Komposition.
00:01:09: Das bedeutet wenn Autumn Leaves gespielt wird findet die Improvisation innerhalb der zweiunddreißig taktigen Form die festgelegte Akkordfolgen hat und in einem Vierviertelmeter rumgespielt wird statt.
00:01:23: Die Improvision ist also die Kombination von Noten und Rhythmus die die harmonische Form einer komposition widerspiegelt.
00:01:32: In diesem Sinne sollte ein Solo über Autumnleaves auch komplett ohne Begleitung erkennbar sein.
00:01:39: Welche Töne wann und in welcher rhythmischen Phrasierung gespielt werden, kann individuell neu zusammengestellt werden.
00:01:46: Der Satzbau hier gibt dem Solo einen bestimmten Rahmen wie zum Beispiel dass die Akkordtöne immer zum passenden Akkort gespielt.
00:01:57: Beachtet man diese Regeln nicht, wird das Solo nicht mehr nach Autumn Leaves klingen.
00:02:03: Da die Akkordfolgen von Autumn Leves aus sehr typischen Zwei-Fünf-Eins-Kartenzen bestehen kann es vorkommen dass sich Teile oder Phrasen eines Solos von verschiedenen Solisten wiederholen.
00:02:16: Das ist ungefähr so als würde man sagen Es gibt ein Hip Hop Stück das von Liebeskommer handelt und es gibt aber einen Freestyle Rap Teil über dem die Rapper freestylen können.
00:02:28: Sie werden in diesem Fall über den Liebeskummer rappen, jedoch jedes Mal eine andere Geschichte zum Kommand dichten wobei der Liebeskummer im Improvisationspart zentral thematisiert wird.
00:02:42: aber zurück zur melodischen Gestaltung.
00:02:45: Über die Zeit haben sich bestimmte wiederkehrende Linien etabliert, die man heutzutage als Licks bezeichnet.
00:02:52: Wenn man wieder einen Vergleich zur Sprache ziehen möchte, kann man sich Licks wie Redewendungen vorstellen.
00:02:58: Etwa wie alle Wege führen nach Rom.
00:03:02: Licks entsprechen also Sprüche die im allgemeinen Sprachgebrauch bekannt sind und etwas bestimmtes ausdrücken.
00:03:10: Im Jazz kann ein Lick eine typische Kandenz widerspiegeln.
00:03:14: Liks sind typische melodische Linien die aus der Bebop-Era stammen.
00:03:20: Im Bebop ist es nämlich üblich, möglichst alle harmonischen Gegebenheiten durchchromatische Umspielungen und Verzierungen zu spiegeln.
00:03:29: Deshalb klingen Bebopsoli oft sehr geladen und bestehen aus aneinander gereiten Licks.
00:03:37: Je nachdem wie man mit Licks umgeht können sie Fluch-und Segen darstellen.
00:03:42: Segen weil Sie eine sehr greifbare praktische Methode bieten um Harmonien melodisch wiederzugeben.
00:03:48: Sie sind also sehr nützlich, um die traditionelle Improvisationssprache zu lernen und sind besonders hilfreich, um in die komplexe Welt der Jazz-Improvisation einzusteigen.
00:04:00: Und Fluch?
00:04:01: Weil wenn man nur lernt nach Licks explizit zu spielen, man dazu verleitet wird diese ausschließlich anzuwenden und dadurch die Gefahr läuft nicht wirklich kreativ zu improvisieren sondern lediglich ganze Sätze abzurufen!
00:04:18: Jedoch kann die Authentizität deines Spiels verloren gehen oder erst gar nicht entstehen.
00:04:25: Auf der anderen Seite, wenn man sich gar nicht mit ihnen beschäftigt, läuft man ebenso die Gefahr nicht die Sprache des Jazz zu lernen und dadurch ins andere Extrem zu gehen – man klingt dann auch nicht authentisch jasig sondern eher abstrakt und confus.
00:04:42: Licks sind also ein sehr wichtiges Werkzeug das sowohl den Einstieg in die Improvisation vereinfacht und gleichzeitig den melodisch-harmonischen Satzbau lehrt.
00:04:52: Deswegen sind Licks wie Vokabeln zu betrachten!
00:04:56: Wenn ihr euch am Anfang eures Improvisationen Könnens befindet, ist es sehr ratsam sich mit Licks zu beschäftigen und diese wie das Lernen von Vokabilen einer neuen Sprache zu behandeln.
00:05:07: Der Vorteil ist – Ihr braucht zunächst nur eine Handvoll Licks die man über verschiedene Cadenzen spielen kann.
00:05:15: Dazu gibt es zwei Ansätze, die sich beide ergänzen.
00:05:19: Der erste Ansatz ist erstmal sich eine Handvoll Lix auszusuchen und diese auswendig zu lernen.
00:05:26: Der nächste Schritt ist, diese zu einem Plälung zu üben.
00:05:30: Danach könnte man diese in andere Tonarten lernen und ebenfalls zu einem Playlohn üben.
00:06:20: Damit baut ihr euch ein Repertoire auf welches ihr auf verschiedene Standards anwenden könnt.
00:06:26: Der zweite Ansatz besteht darin einen Standard zu wählen und dazu eine Etude zu schreiben.
00:06:33: Dabei könnt ihr die Licks wählen, die ihr gelernt habt und nach euren Belieben über die gesamte Form des Standards festlegen und auswendig lernen.
00:06:42: Im Prinzip übt ihr damit nichts anderes als zu improvisieren allerdings in einzelnen Schritten und dazu auch ganz langsam.
00:06:51: Eine Etude über Autumn Leaves könnte zum Beispiel so klingen Wenn ihr euch fragt wo ihr denn am besten Licks findet habt ihr heutzutage natürlich Glück.
00:08:09: eine Suche mit Jazz Licks bei YouTube wird euch mit zahlreichen Licks versorgen.
00:08:14: Vor der Youtube-Error haben sich Musiker ihre Licks aus legendären Soli rausgesucht und zwar aus den Aufnahmen.
00:08:22: Dabei haben Musiker ihr Lieblingssoli transkribiert, besonders herausragende Phrasen daraus kopiert – geübt und dann in ihre eigenen Soli eingebracht!
00:08:33: Viele Jazz-Legenden hatten damals ihre eigenen Phrasen und Stile durch den ständigen Austausch mit ihren Kollegen, und auf Sessions entwickelt.
00:08:42: Durch das Nachahmen dieser Phrase der heranwachsenden Generation entstanden die typischen Bioblicks.
00:08:49: Damals wurde Jazz ausschließlich aus der Praxis gelernt und wurde eben nicht in den Unis gelehrt.
00:08:56: Wenn ihr also ein gutes Ohr habt oder schon ein wenig fortgeschritten in eurem Können seid, besteht der nächste Schritt darin sich einen Solo auszusuchen das euch inspiriert und dieses zu transkribieren.
00:09:10: Ihr könnt natürlich auch nur Teile davon transkriberen und herausragende Stellen lernen – so setzt ihr euren eigenen Licks zusammen!
00:09:20: Um zu transgribieren müsst ihr das Solo eurer Wahl Note für Note lernen.
00:09:24: Zuerst nachsingen und dann am Instrument nachspielen.
00:09:29: Um euer Gehör zu trainieren, ist das Nachsingen eines kompletten Solos schon eine sehr hilfreiche Übung.
00:09:35: Ein ganzes Solo auf eurem Instrument zur Aufnahme identisch mitspielen zu können schließt den Vorgang eurer Transkription ab.
00:09:43: Hab Geduld bei dieser Übung!
00:09:44: Am Anfang kann es sehr lange dauern Phrasen herauszuhören besonders wenn die Aufnahme sehr schnell ist, die Phrasierung nicht sehr klar und die Stimmung der Aufnahme beziehungsweise des Instruments eine andere ist als die Stimmung heutzutage.
00:10:00: Und somit kommen wir zum Ende dieser Episode!
00:10:03: Falls euch das Thema der Improvisation interessiert, empfehle ich euch unsere Instrumentalkurse in denen diese Themen mit vielen praktischen Tipps behandelt werden.
00:10:12: Ihr könnt sie selbstverständlich kostenlos ausprobieren.
00:10:15: Ihr findet sie unter www.global-jazz-academy.com.
00:10:21: Wir hören uns bei der nächsten Episode.
00:10:23: Macht's gut und bleibt kreativ.
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