Folge 31 - Drei Töne, viele Klänge: unendliche Möglichkeiten

Shownotes

Drei Töne.Mehr braucht es manchmal nicht, um Musik komplett zu verändern.

In der neuen Folge unseres Podcasts sprechen wir über Dreiklänge — und warum genau sie das Fundament fast jeder Musik bilden.

Wir schauen hinter die Kulissen scheinbar einfacher Akkorde und entdecken, warum ein einziger veränderter Ton plötzlich alles anders klingen lässt. Warum manche Akkorde Ruhe ausstrahlen, andere sofort Spannung erzeugen — und weshalb viele großartige Jazzsoli oft viel einfacher aufgebaut sind, als man zunächst denkt.

Außerdem geht es um:
- Dur, Moll, vermindert und übermäßig
- die Wirkung verschiedener Akkordtypen
- Umkehrungen und geschmeidige Stimmführung
- und die Frage, warum gute Improvisation oft mit ganz einfachen Klangformen beginnt.

Natürlich gibt es wieder praktische Hörtipps und kleine Übungen, die ihr direkt am Instrument ausprobieren könnt. Eine Folge für alle, die Musik nicht nur spielen, sondern wirklich verstehen möchten.

🎧 Jetzt reinhören und die Welt der Dreiklänge neu entdecken.

Sprecher: Dominik Hahn

Transkript anzeigen

00:00:07: Hallo und herzlich willkommen zur neuesten Folge von Jazzheads, dem Podcast der Global Jazz Academy Berlin.

00:00:13: Mein Name ist Dominik Hahn und ich begrüße euch aus Münster!

00:00:18: Heute sprechen wir über etwas das erst mal unspektakulär klingt – drei Töne mehr nicht?

00:00:26: Und trotzdem steckt darin die Grundlage von unglaublich viel Musik.

00:00:31: Jazz, Pop, Filmmusik, Klassik, Soul.

00:00:36: Überall begegnen uns Dreiklinge.

00:00:39: Und das Faszinierende daran ist, viele Musikerinnen und Musiker beschäftigen sich irgendwann mit hochkomplexen Akkorden, Skalen- und harmonischen Konzepten – und merken dann erst später -, dass unter fast allem etwas ganz einfaches steckt eine gemeinsame Basis ein Dreikleim!

00:01:00: Genau deshalb schauen wir uns heute einmal genauer an wie Dreiklänge aufgebaut sind, welche Typen es gibt warum sie unterschiedliche Wirken, was Umkehrungen sind und warum Dreiklänge im Jazz eine viel größere Rolle spielen als viele Denken.

00:01:16: Denn Dreiklinge sind nicht nur einfach Theorie – Sie sind musikalische Grundsprache!

00:01:23: Ein Dreiklang besteht aus drei unterschiedlichen Tönen die übereinander geschichtet werden.

00:01:28: Der klassische Aufbau lautet Grundton, Terz, Quinte.

00:01:34: Zur Erinnerung Den Abstand zweier Töne nennt man Intervall.

00:01:39: Terz und Quinte sind dabei sehr wichtige und grundlegende Interwalle, falls ihr hier thematisch ins Grübeln geratet leg ich euch auch unser Podcast Archivans Herz.

00:01:49: dort findet ihr eine Folge zum Thema Intervalle.

00:01:53: Bleiben wir also dabei Grundton Terz-Quinte am Beispiel von Ton C als Grundton c e g. das ist ein Zedur Dreiklang.

00:02:08: Dabei beschreibt die Terz den Charakter des Akkords, sie entscheidet ob etwas eher hell oder dunkel klingt.

00:02:17: Die Quinte sorgt dagegen vor allem für Stabilität und Klangfülle Und genau diese Kombination macht Dreiklinge so wirkungsvoll.

00:02:28: Interessant ist übrigens der Durdreiklang steckt bereits in der natürlichen Obertonreihe eines Tons.

00:02:34: Deshalb empfinden viele Menschen diesen Klang als besonders stabil oder geordnet.

00:02:40: Doch wie entstehen Dreiklänge?

00:02:43: Dreiklinge werden aus Terzen aufgebaut!

00:02:47: Wie wir bereits gelernt haben, beschreibt ein Intervall in unserem Fall die Terz den Abstand zwischen zwei Tönen.

00:02:54: Dabei gibt es... S, eine kleine Terz.

00:03:10: Und aus der Kombination dieser beiden Terzen entstehen die vier wichtigsten Dreiklangsarten.

00:03:17: Erstens – Der Durdreiklang.

00:03:20: Der Dur-Dreiklang entsteht aus einer großen Terz und einer kleinen Terz Am Beispiel von Ton C, C nach E Die große Terz, E nach G Die Kleine Terz.

00:03:43: Daraus wird CEG, der klassische Durdrei-Klang.

00:03:58: Dieser Klang wirkt stabil, offen klar fröhlich.

00:04:03: Deshalb enden unglaublich viele Stücke auf einem Durdreiklang.

00:04:07: Das Ohr empfindet ihn als Hohepunkt.

00:04:11: Zweitens der Molldreikklang.

00:04:14: Jetzt verändern wir nur einen einzigen Ton.

00:04:17: Aus dem E wird der Ton S Entsprechend aus der großen Terz eine Kleinterz also die Töne C-,S- und G Und plötzlich verändert sich die komplette Stimmung.

00:04:43: Ein Molldreiklang entsteht damit aus einer kleinen Terz und einer großen Terz, der Klang wirkt oft wärmer dunkler oder nachdenklicher.

00:04:55: aber Moll bedeutet nicht automatisch traurig.

00:04:58: gerade im Jazz hat Moll oft etwas sehr offenes und elegantes.

00:05:04: ihr seht nur ein Halbtonunterschied aber emotional entsteht sofort eine völlig andere Wirkung.

00:05:11: drittens Der verminderte Dreiklang.

00:05:15: Jetzt wird es spannender, wenn wir beim Molldreiklang also mit der kleinen Terz zusätzlich die quinte Verkleinern entsteht C S Gess.

00:05:27: Das ist ein verminderter Dreiklang.

00:05:29: Also der Aufbau Kleine Terz noch eine kleine Terz.

00:05:52: Dieser Akkord wirkt instabil und gespannt.

00:05:57: das Ohr möchte fast automatisch hören wie sich auflöst.

00:06:02: Deshalb werden verminderte Akkorde oft verwendet als Durchgangsakkorde für dramatische Spannung.

00:06:08: Wir finden sie häufig im Bebop und Swing, viertens der übermäßige Dreiklang.

00:06:15: Dafür erhöhen wir beim Durdreiklang die Quinte also die Töne C E Gis Der Aufbau große Terz und noch eine große Terze.

00:06:47: Dieser Akkord klingt schwebend und offen fast ein bisschen geheimnisvoll.

00:06:52: Viele Filmkomponisten nutzen genau diesen Klang, weil Erspannung erzeugt ohne sofort hart oder dissonant zu wirken.

00:07:00: Doch warum wirken drei Klinge so unterschiedlich?

00:07:04: Das Spannende ist, obwohl wir teilweise nur einen einzigen Ton verändern verändert sich sofort die gesamte Atmosphäre und genau das macht Harmonik aus!

00:07:13: Ein Halbton kann entscheiden ob etwas ruhig offen instabil melancholisch oder schweden klingt Und deshalb lohnt es sich enorm, Dreiklänge nicht nur theoretisch zu lernen sondern auch wirklich bewusst zu hören und dann zu spielen.

00:07:31: Jetzt kommt ein Punkt der im musikalischen Alltag unglaublich wichtig ist – die Umkehrung!

00:07:38: Denn einen Dreiklang bleibt derselbe Akkord auch wenn die Töne anders angeordnet werden.

00:07:44: Nehmen wir wieder C-Dur also die Grundstellung C E G. Jetzt setzen wir das C nach oben, also E-G-C.

00:08:03: Das nennt man die erste Umkehrung und wenn wir anschließend das E nach oben setzen, also G-C-E haben wir die zweite Umkehrungen.

00:08:16: Die Töne bleiben gleich aber der Klang verändert sich deutlich.

00:08:20: Und jetzt in Moll.

00:08:34: Aber warum ist es so?

00:08:36: Weil unser Ohr besonders stark auf den tiefsten Ton reagiert.

00:08:40: Der Basston beeinflusst die gesamte Klangwirkung und genau deshalb klingen Umkehrungen oft weicher, eleganter oder fließender.

00:08:50: Schauen wir uns nun an warum Umkehrung im Jazz so wichtig sind.

00:08:55: In der Jazzmusik geht es häufig darum Akkorde möglichst geschmeidig miteinander zu verbinden.

00:09:00: Man spricht von Voice Leading also Stimmführung.

00:09:06: Gute Musikerin und Musiker springen harmonisch nicht ständig wild herum, sondern sie suchen kleine Bewegungen zwischen den Akkorden.

00:09:13: Und genau dafür sind Umkehrungen goldwert.

00:09:17: Ein einfacher Dreiklang kann durch verschiedene Lagen plötzlich viel moderner weicher oder dichter klingen.

00:09:25: Gerade am Piano oder die Gitarre arbeiten Musikerinnen und Musikern permanent damit... ...und jetzt kommt der entscheidende Punkt!

00:09:33: Im Jazz sprechen wir ständig über SEPT-Akkorde Alteration drittene Substitutionen, upper Structures.

00:09:40: Aber unter fast allem steckt als Basis ein Dreiklinge.

00:09:46: Ein C-Major V Akkord enthält einen C-Durdreiklang als Basiss.

00:09:59: Ein Amol VII Akkort enthält ein Amol III Klang als Basisses.

00:10:10: Viele großartige Improvisatoren denken deshalb nicht nur in Skal sondern in klaren Akkordeformen.

00:10:17: Dreiklänge geben Orientierung.

00:10:20: Wenn man beim Improvisieren harmonisch den Überblick verliert, hilft oft ein einfacher Dreiklang mehr als jede komplizierte Skala.

00:10:28: Und das ist definitiv kein Anfänger-Trick!

00:10:31: Um das zu erreichen... ...ist der wichtigste Schritt eigentlich nicht nur das Spielen sondern das Hören.

00:10:38: Viele erfahrene Musikerinnen und Musiker erkennen Akkorde nicht als einzelne Töne, sondern als Klangcharaktere.

00:10:44: Sie hören Gefühle Ist etwas Stabil Weich Offen Gespannt Schwäbend Und genau diese Fähigkeit beginnt mit Dreiklingen.

00:10:54: Das ist wie beim Sprache Lernen.

00:10:57: Irgendwann liest man nicht mehr einzelne Buchstaben, man erkennt Zusammenhänge, ganze Wörter und Muster – und genauso funktioniert musikalisches Hören!

00:11:07: Hier ein praktischer Übertip für Euch.

00:11:09: Nehmt euch diese Woche einen Jazz-Standard vor zum Beispiel Autumn Leaves, Bluebossa, Satin Doll….

00:11:14: …und improvisiert nur mit Dreikklingen.

00:11:17: Keine Skalen, keine komplizierten Patterns nur drei Klinge und ihre Umkehrungen.

00:11:23: Ihr werdet überrascht sein, wie musikalisch einfache Linien plötzlich klingen können Denn oft entsteht gute Musik nicht durch möglichst viele Informationen sondern durch Klarheit.

00:11:34: Und damit sind wir für heute am Ende angelangt.

00:11:37: Wenn euch die Folge gefallen hat und ihr tiefer in Jazzharmonik, Improvisationen und Gehörbildung eintauchen möchtet schaut gerne auf unsere Homepage nach.

00:11:46: Dort findet ihr zahlreiche Online-Kur so rund um die Themen Jazzharmonek, Improvisation Rhythmik, Songwriting und Gehörbildung.

00:11:55: Praxisnah erklärt und direkt am Instrument anwendbar.

00:11:59: Und bis zur nächsten Folge gilt!

00:12:02: Die wichtigsten Dinge in der Musik sind oft erstaunlich simpel.

00:12:06: Manchmal reichen drei Töne – und damit bedanke ich mich fürs Zuhören.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.